Beim Berufsberater

Ich stand vor dem Hauptschulabschluss und musste ein Praktikum machen. Dazu begab ich mich zum Berufsberater des Arbeitsamtes.

Der nette Beamte begrüßte mich und wies mir  einen Stuhl zu. „An was hatten Sie dann gedacht?“, fragte er mich.

„Ich würde gerne was mit Tieren machen.“

„Tiere, hmm. Aber das Leben ist kein Ponyhof.“ Offenbar war er ein humoriger Mensch. Er kramte in seinem Karteikasten und zog schließlich einen kleinen, hellblauen Zettel hervor.

„Hier bitte, das wird Ihnen gefallen.“

Der gute Mann hatte wirklich Humor. Das Praktikum hat mir gar nicht gefallen. Auch die Firma mochte mich nicht, die Metzgerei Meyer.

Die Rückkehr zum Berufsberater

Ich sprach erneut beim  Berufsberater des Arbeitsamtes vor, nachdem ich letztes Mal so enttäuscht wurde. Mein Lehrer setzte sich dafür ein, dass ich ein zweites Praktikum machen durfte.

Der nette Beamte begrüßte mich wieder. „Diesmal möchte ich meinen Berufswunsch klar formulieren: Ich möchte bei einer Bank arbeiten.“, sagte ich energisch.

„Ja, junger Mann, das ist eindeutig. Hier ist Ihre Praktikumsadresse.“ Diesmal erhielt ich einen kleinen, grünen Zettel.

Dieser Mensch bewies wieder sein Verständnis für Humor, wie ich später leider feststellen musste.

Die Arbeit bei der Bank hat mir auch nicht gefallen, obwohl die Kollegen von der Friedhofsgärtnerei wirklich nett waren. 

Der Arbeitsunfall

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie hatten mich gebeten, zu meinem Arbeitsunfall von letzter Woche zu äußern.

Ich wollte das Fenster öffnen und bin dabei über die Steckdosenleiste gestolpert. Danach bin ich auf den kleinen Tisch gefallen, der dabei ebenso zu Bruch ging wie die vier Zimmerpflanzen von Fräulein Hildegard und das Goldfischglas. Goldfisch Willy hat das nicht überlebt.

Der Grund für das Stolpern war der schwarz-gelbe Sicherheitsstreifen, der eine Woche zuvor von unserem Sicherheitsdienst angebracht wurde. Als treuer Fan von Schalke musste ich diesen sofort entfernen, was wiederum zum Übersehen der Leiste geführt hat.

Mit freundlichen Grüßen 

Norbert Neumann 

Der Beamtendreikampf

Berthold Weichmann vom Finanzamt Seevetal war ärgerlich, richtig ärgerlich. Ihm oblag nicht nur die Aufspürung von Steuerpflichtigen, die die Steuern nicht oder nicht ausreichend entrichteten.

Nein, ihm war zusätzlich die Betreuung der Beamtenanwärter und Auszubildenden übertragen.

Heute war es wieder passiert. Dietmar Dohmeyer, dieser achtzehnjährige Jungspund hatte es offenbar immer noch nicht begriffen.

„So, Herr Dohmeyer, ich habe soeben die Steuerakte Prusemuckel überprüft, die ich Ihnen gestern übergab. Und was muss ich da feststellen? Der Prüfbericht vom Kollegen Pollmeyer lag lose darin. Lose! Also nochmals zum mitschreiben: der Beamtendreikampf lautet: Knicken, Lochen, Abheften! Abheften! Nicht Abhängen! Das machen wir danach.“

Der Umzug

Putchen Prammel war froh,  den Umzug von Wuppertal nach Düsseldorf gut überstanden zu haben. Jetzt galt es, sich und ihre Familie ordnungsgemäß umzumelden. Stolz ging sie zum Schalter der Meldebehörde und gab das von ihr selbst ausgefüllte Formular ab.

„Nein, nein, Frau Prammel so geht das nun wirklich nicht. Das müssen Sie noch einmal berichtigen.“

Der Sachbearbeiter war sichtlich echauffiert. Putchen nahm den Anmeldebogen zurück und schüttelte den Kopf.

„Was habe ich bloß falsch gemacht?“, sprach sie zu sich. „Dabei habe ich doch in der Spalte Verwandtschaftsverhältnis alles ganz korrekt eingetragen: Erwin Prammel – gut, Sabine Prammel – ausgezeichnet, Melanie Prammel – schwierig.“ 

Neulich im Chinalokal

Mit drei guten Freunden begab ich mich in das neueröffnete Chinalokal „Traum von Peking“ bei mir um die Ecke.

Ich hatte wieder Appetit auf mein Lieblingsessen „Zweimal gebratenes Schweinefleisch“ und bestellte es auch.

Das Gericht kam und ich probierte. Es schmeckte fürchterlich. Das Fleisch war zäh, die Soße lasch und das Gemüse alles andere als knackig.

Angewidert schob ich den Teller beiseite. Nach endlosem Warten räumte die junge Frau ab, und fragte uns routinemäßig: „Hat es Ihnen geschmeckt?“. Meine Antwort „Ehrlich gesagt: nein.“, wurde mit einen Lächeln aufgenommen und sie sagte das, was man ihr beigebracht hatte:

„Das freut mich.“

Das erste Mal

Putchen Prammel war aufgeregt. Gleich würde ihr neuer Freund zum ersten Mal bei ihr zu Abend essen.

Sie hatte den Tisch liebevoll dekoriert und auch sein Lieblingsessen zubereitet: Zehwappschischi mit Reis. Putchen hatte sich das Originalrezept von Biljana, ihrer serbischen Kollegin geben lassen und sich ganz genau daran gehalten. 

Pünktlich um acht erschien ihr Geliebter – mit einem riesigen Blumenstrauß in der Hand.

Erwartungsvoll nahm Jürgen den ersten Bissen und verzog augenblicklich das Gesicht. „Das ist ja widerlich!“, rief er aus. Der Abend endete dann recht abrupt. 

Biljana, die Kollegin, klärte Putchen dann am nächsten Tage auf: Knoblauchknollen sind keine Zehen. 

Heißhunger

„Meine Damen und Herren, ich melde mich hier vom alljährlichen Hot Dog- Esswettbewerb aus der Stadthalle in Niedertupflingen. Der Sieger, Kunibert Kante hat mit dem Verzehr von dreiundsiebzig Hot Dogs in zehn Minuten einen neuen Weltrekord aufgestellt. Einen Moment bitte, ich sehe gerade, dass der Gewinner für ein Interview bereit ist. Herr Kante, meinen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg. Wie fühlen Sie sich?“

„Mir geht es großartig, ich bin überglücklich.“

„Herr Kante, Sie wären ja heute fast zu spät gekommen. Warum?“

„Nun, ich war noch beim Abendessen. Meine Frau hatte Rheinischen Sauerbraten mit Klößen gemacht. Da konnte ich wirklich nicht widerstehen.“

Der Hund muss dran glauben

Es war von Anfang an klar, dass der Hund dran glauben musste. 

Es konnte nur einen geben, er oder ich. Ich kannte kein Erbarmen, mein Überleben war mir wichtiger. 

Der Hund leistete jedoch überraschenderweise keinerlei Widerstand, offenbar ergab er sich seinem Schicksal. Mitleid spürte ich nicht, nur das unbändige Verlangen, ihn zu erledigen. 

Ich wusste auch nicht, welche Strafe mich erwarten würde, wenn das zu Ende gebracht war. 

Der entscheidende Moment war gekommen – Zeugen würde es hier keine geben. 

Jetzt, ja, jetzt, biss ich gnadenlos in ihn hinein.

Es war ein Gemetzel, doch dann war restlos verputzt – der Hot Dog.

Guten Appetit

Vor dem Kinobesuch kam ich an den Backshop vorbei. Dort erwarb ich ein köstliches Zwiebelbrot.

Während der Film lief, lag das Backwerk neben mir. Es konnte nicht schaden, ein bisschen davon anzuknabbern. Herzhaft biss ich hinein. 

Irgendwie kam es mir vor, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Egal, das konnte ich später klären. Dem leckeren Brot konnte ich nicht widerstehen. Am Schluss der Vorstellung war es komplett verspeist.

Nun kehrte ich zu der Bäckerei zurück, um ein zweites Brot zu erwerben. Ich erblickte es und wusste wieder, was ich vergessen hatte. Auf dem Brot war ein hübscher, aber überflüssiger Aufkleber.